Unerwünschte Souvenirs: Diese Geschlechtskrankheiten warten im Urlaub

Ca. 71 Millionen Urlaubsreisen haben die Deutschen im letzten Jahr unternommen. Auch wenn in diesem Jahr nicht so viele Fernreisen stattfinden wie sonst, ist Corona nicht der einzige Virus, der mit nach Hause kommen kann. Im nahen In- und Ausland lauern nämlich weitere unerwünschte Urlaubssouvenirs: Geschlechtskrankheiten.Immer nach der Ferienzeit  diagnostizieren Gynäkologen, Urologen und Hausärzte auffällig viele Infektionen. Einige können gut behandelbar und harmlos sein, wie zum Beispiel Chlamydien, andere dagegen können zu lebenslangen Beeinträchtigungen führen, wie eine Infektion mit dem HI-Virus.


Von der
WHO geschätzte Fallzahlen heilbarer STIs: Chlamydiose, Gonorrhö, Syphilis, Trichomoniasis (Daten aus Newman LM, Rowley J, Vander Hoorn S et al. Global estimates of the prevalence and incidence of four curable sexually transmitted infections in 2012, PLosOne 2015.)

„In Deutschland steigen die Neuinfektionen von Geschlechtskrankheiten wie HIV und Syphilis weiter an. Die Deutsche Aidshilfe meint, ein Grund dafür sei, dass
weniger Kondome genutzt werden. Dies kann besonders im Urlaub das Infektionsrisiko nochmals stark erhöhen”, sagt Dr. Sven Jungmann, Arzt und Digital Health-Experte.

Die Experten von Wellster Healthtech - den Betreibern von Plattformen wie Spring und easy.test - wollen herausfinden, welche Geschlechtskrankheiten im In- und Ausland weit verbreitet sind und haben dafür die Gesundheitsdaten über Krankheiten und Erreger wie Chlamydien, Gonorrhö, Syphilis, HPV, HIV, Hepatitis und Genitalherpes ausgewertet.

Chlamydien


Das Bakterium Chlamydia trachomatis löst eine der weltweit häufigsten Geschlechtskrankheit aus (aus der Public Image Health Library, erstellt von Dr. Wiesner, Dr. Kaufman)

Die Infektion mit dem Bakterium Chlamydia trachomatis gehört zu den in Deutschland am häufigsten auftretenden Geschlechtskrankheiten. Am stärksten sind Jugendliche und junge Erwachsene betroffen, die sich beim ungeschützten Sex anstecken. Die Folgen sind Juckreiz im Genitalbereich und ungewöhnlicher Ausfluss. Mitunter zeigt die Infektion aber auch gar keine Symptome, was die Verbreitung begünstigt. Früh erkannt, sind Chlamydien gut mit einem Antibiotikum behandelbar.

Bleiben sie dagegen unerkannt, können sie bei Frauen Unfruchtbarkeit und schwerwiegende Entzündungen in der Beckenregion verursachen.

Gonorrhö


Das Bakterium Neisseria gonorrhoeae löst Tripper aus (aus der Public Image Health Library, erstellt von Dr. Yobs)

Die Krankheit, die besser unter dem Namen Tripper bekannt ist, ist die weltweit am häufigsten auftretende sexuell übertragbare Krankheit. Schätzungsweise 87 Millionen Fälle von Gonorrhö treten jährlich auf. Während bei Männern häufig spürbare Beschwerden, wie Schmerzen beim Wasserlassen oder Sex und Juckreiz auftreten, bleibt der Tripper bei Frauen oft lange unentdeckt. Ohne Behandlung verursacht das Bakterium Entzündungen und Unfruchtbarkeit. In Europa steigen die Ansteckungszahlen seit 2011 stetig an.

Syphilis


Das Bakterium Treponema pallidum ssp. löst Syphilis (Lues) (aus der Public Image Health Library, erstellt von Dr. John D. Schmale)

Kaum eine Geschlechtskrankheit hat solch ein diverses Krankheitsbild wie die Syphilis. Bleibt das verursachende Bakterium über längere Zeit im Körper bahnt es sich über drei verschiedene Stadien den Weg ins Blut und befällt schlussendlich die Organe und das Gehirn. Ersichtlich wird die Syphilis über kleine, schmerzlose Knötchen, die sich rund um die Infektionsstelle bilden. Später kann es Fieber, Gelenkschmerzen und Gewichtsverlust verursachen.

In Mitteleuropa steigen die Ansteckungszahlen in den letzten Jahren rasant. Am stärksten sind homosexuelle Männer betroffen.

„Ganz gleich, ob Tripper, Syphilis, HIV, Genitalherpes, HPV oder etwas anderes: Besser ist, man bekommt diese ansteckenden Geschlechtskrankheiten nicht. Prävention hat im Falle dieser Krankheiten oberste Priorität. Ob eine wirkvolle Impfung, wie im Falle von HPV, oder das Prinzip Safer Sex mit Kondomen, junge Männer und Frauen sollten auch im Urlaub die Verantwortung für ihre Gesundheit übernehmen. Geschlechtskrankheiten können einfach und sicher vermieden werden.“ – Prof. Dr. Christian Wülfing, Chefarzt der Urologie in der Asklepios Klinik Altona und Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Urologie.

Humane Papillomviren und Feigwarzen


Impfquote in Prozent für eine vollständige HPV-Impfung 15-jähriger Mädchen auf Kreisebene, Dezember 2018 (aus Epidemiologischen Bulletin 32/33 2020 vom RKI)

Die sexuell übertragbaren Humanen Papillomviren (HPV) existieren in mehr als 150 verschiedenen Ausführungen. Während einige Arten die sogenannten Feigwarzen, kleine braune Knötchen in der Genital- oder Analregion entstehen lassen, können andere u.a. Gebärmutterhalskrebs auslösen. Oft geht eine Infektion aber auch ohne Beschwerden einher und klingt von alleine wieder ab. Gegen HPV können sich junge Frauen und Männer impfen lassen. Im besten Fall bevor sie sexuell aktiv werden. Die Impfquote lag in Deutschland zuletzt bei 42 % der Mädchen unter 17 Jahren.

Seitdem die Ständige Impfkommission im letzten Jahr die HPV-Impfung für Jungen zwischen 9 und 17 Jahren empfohlen hat, verzeichnet die Deutsche Gesellschaft für Urologie ein deutlich erhöhtes gesellschaftliches Interesse an dieser Thematik. Vielen Jugendlichen und Eltern ist klar geworden, dass die HPV-Impfung einige Krebserkrankungen verhindern kann. Diese Entwicklung ist sehr zu begrüßen, da sie einen großen Beitrag zur Jugendgesundheit leistet, und muss weiter vorangetrieben werden!“ – Prof. Dr. Christian Wülfing, Chefarzt der Urologie in der Asklepios Klinik Altona und Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Urologie.

HIV


Häufigkeit von HIV unter Erwachsenen im Alter zwischen 15 und 49 Jahren (https://www.who.int/images/default-source/maps/hiv_adult_prevalence_2016.png?sfvrsn=6bf41f16_0)

Eine Ansteckung mit dem HI-Virus muss heute, bei entsprechender Behandlung, nicht mehr tödlich verlaufen, heilbar ist die Infektion dennoch nicht. Wenige Wochen nach der Ansteckung kann es zu grippeähnlichen Symptomen kommen, ansonsten bleibt das Virus aber oft jahrelang unerkannt. Erst wenn das Immunsystem so schwer geschädigt ist, dass es andere Krankheitserreger nicht mehr abwehren kann, nennt man das tödlich verlaufende Stadium AIDS. Etwa 90.000 HIV-positive Menschen leben aktuell in Deutschland. In ganz Europa sind schätzungsweise 2,4 Millionen Menschen infiziert, etwa zehnmal weniger Menschen als in Afrika.

HIV


Verbreitung von Hepatits B und C (https://www.who.int/multi-media/details/viral-hepatitis-in-the-world-map)

Egal, ob A, B oder C, bei Hepatitis handelt es sich um einen Virus, der zu einer Entzündung der Leber führt. Ansteckungsgefahren lauern beim Kontakt mit infektiösen Körperflüssigkeiten, wie Sperma, Scheidenflüssigkeit und sogar Speichel. Während Hepatitis A oft unbemerkt bleibt und auch von allein wieder abheilt, können Hepatitis B und C mitunter chronisch werden und schwere gesundheitliche Probleme, wie Leberzirrhose oder Leberkrebs, verursachen. Die bekannte Gelbsucht bricht nur selten aus, üblicher sind grippeähnliche Symptome, Übelkeit und Bauchschmerzen. Gegen Hepatitis A und B kann man sich verlässlich impfen lassen, nichtsdestotrotz fangen sich weltweit jährlich 257 Millionen Menschen Hepatitis B-Viren ein.

Genitalherpes


Schätzungen der Herpes Simplex Virus Typ 2 Infektionen im Jahr 2012 (aus Looker KJ, Magaret AS, Turner KME, Vickerman P, Gottlieb SL, et al. (2015) Correction: Global Estimates of Prevalent and Incident Herpes Simplex Virus Type 2 Infections in 2012. PLOS ONE 10(5))

Das Herpesvirus lässt sich sehr leicht durch Schmier- oder Kontaktinfektionen weitergeben. In der Akutphase treten häufig brennende und schmerzende Bläschen auf, die mit Wasser gefüllt sind. Sie kommen am Mund, im Rachenraum, an den Schamlippen, am Penis und am After vor. Grundsätzlich hat der Herpes keine gesundheitlichen Folgen. Die Infektion verheilt meist von selbst, kann aber ein Leben lang immer wieder auftreten, wenn das Immunsystem geschwächt ist.

„Um Komplikationen zu vermeiden und den Leidensdruck zu minimieren, ist eine schnelle Diagnose essentiell. Gerade im Ausland können sprachliche und kulturelle Barrieren das Gespräch zwischen Arzt und Patient erschweren. In Fällen wie diesen können u.a. telemedizinische Dienstleistungen helfen, da sie eine Verbindung zum Arzt des Vertrauens herstellen und die gewohnte Behandlungsqualität sicherstellen.” – sagt Dr. Sven Jungmann, Arzt und Digital Health-Experte.